Keimung und Keimdauer von Rasengräsern

Keimung und Keimdauer von Rasensamen

Ob die Rasenansaat gelingt, ist ganz entscheidend von der Keimung der Rasensamen abhängig. Um den Keimprozess überhaupt in Gang zu setzen, muss die sogenannte „primäre Dormanz“ überwunden werden. Darunter ist die natürliche Keimruhe zu verstehen, mit der jeder Grassamen ausgestattet ist. Die Keimruhe fällt unterschiedlich lang aus, was eine gleichzeitige Keimung aller Samen verhindert.

Die wichtigsten Faktoren für die Keimung im Überblick

Um die primare Dormanz bzw. Keimruhe der Samen zu überwinden, müssen vor allem die Faktoren Wasser, Sauerstoff und Temperatur gut zusammenspielen.

Keimfaktor Wasser

Bevor der Samen keimt, quillt er durch die Aufnahme von Wasser auf. Dadurch vergrößert er nicht nur sein Volumen. Auch Enzyme werden aktiviert, welche die gespeicherten Nährstoffe für den Keimling verfügbar machen und so den Keimprozess in Gang setzen. Eines dieser Enzyme ist die Diastase, die Stärke in Zucker umwandelt.

Eine kontinuierliche Wasserversorgung der Rasensamen ist deshalb für die Keimung besonders wichtig. Trocknet der keimende Samen aus, wird die Keimung unterbrochen und der Keimling stirbt ab. Neben der permanenten Wasserversorgung der Rasenfläche ist es auch förderlich, den Boden nach dem Einrechen der Rasensamen leicht anzuwalzen. Das stellt sicher, dass die Samen guten Kontakt zum Boden haben und entsprechend schnell das Wasser aus dem Boden ziehen können.

Expertentipp von Norbert: Eine Schlitzfolie schützt zusätzlich vor Austrocknung

Um die Austrocknung der Rasenfläche für eine erfolgreiche Keimung zu verhindern, kann zusätzlich eine Schlitzfolie ausgelegt werden. Durch die Lüftungsschlitze entsteht unter der Folie ein ausgewogenes Treibhausklima, welches das Wachstum fördert. Die Folie selbst ist wasserdurchlässig, sodass einfach durch die Folie hindurch die Rasenfläche bewässert werden kann. Alternativ können Sie auch ein Abdeckvlies verwenden, das nach dem gleichen Prinzip funktioniert, aber aus einem anderen Material besteht.

Keimfaktor Sauerstoff

Zur Keimung der Rasengräser sollte der Sauerstoffgehalt im Boden immer ausreichend groß sein. Die Einjährige Rispe (Poa annua) keimt zwar auch bei wenig Sauerstoff im Boden, viele andere wichtige Rasengräser jedoch nicht. Ein vor der Einsaat gut gelockerter Boden hat im Normalfall nicht mit Sauerstoffmangel zu kämpfen. Hier ist nur darauf zu achten, dass durch zu viel Nässe keine Verschlämmungen entstehen, die dann den Boden unnötig verdichten und ihm den Sauerstoff entziehen.

Keimfaktor Temperatur

Mindestens 10 °C sollte die Bodentemperatur bei der Einsaat betragen. Optimal für die meisten Rasengräser ist eine Keimtemperatur von 16 bis 23 °C. Nach oben gibt es für die Keimung ebenfalls eine Grenze: Steigt die Temperatur am Boden auf 40 °C an, wird die Keimung stark verzögert. Ab 45 °C stirbt eine Vielzahl der Keimlinge ab, insbesondere dann, wenn diese Hitzeperiode mehrere Stunden andauert.

Rasensaatgut, Rasensamen

Damit Rasensamen überhaupt keimen, muss ihre Keimruhe (primäre Dormanz) überwunden werden.

Rasengräser (Keimung)

Spielen die Faktoren Wasser, Sauerstoff und Temperatur gut zusammen, keimen die Samen zuverlässig.

Keimdauer und Keimverlauf der Rasengräser

Je nach Grasart und vorherrschenden Keimbedingungen fällt die Keimdauer unterschiedlich aus. Sie liegt zwischen 6 und 28 Tagen. Die folgende Tabelle gibt Auskunft über die Keimdauer der wichtigsten Rasengräser.

GrasartKeimdauer
Deutsches Weidelgras (Lolium perenne)7 bis 15 Tage
Rotschwingel (Festuca rubra)10 bis 18 Tage
Rohrschwingel (Festuca arundinacea)10 bis 18 Tage
Schafschwingel (Festuca ovina)11 bis 19 Tage
Straußgräser (Agrostis spp.)12 bis 20 Tage
Wiesenrispe (Poa pratensis)14 bis 21 Tage
Lägerrispe (Poa supina)14 bis 24 Tage

Der Keimverlauf der Rasensamen lässt sich in mehrere Phasen unterteilen. Jede dieser Phasen stellt ein bestimmtes Entwicklungsstadium des Keimlings dar:

  1. Wasseraufnahme
  2. Quellung
  3. Aktivierung der Enzyme
  4. Umwandlung der Nährstoffe
  5. Aufplatzen der Samenschale
  6. Bildung der Keimwurzel
  7. Bildung des Keimblattes
  8. Beginn der Photosynthese

Keimfähigkeit der Rasengräser

Alle Rasenmischungen, die im Handel für die Rasenansaat erhältlich sind, müssen auch bezüglich der Keimfähigkeit bestimmte Mindestanforderungen erfüllen. Diese werden im Saatgutverkehrsgesetz geregelt. Auch die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (FLL) schreibt im Rahmen ihrer Richtlinie für Regel-Saatgut-Mischungen (RSM) eine bestimmte Keimfähigkeit vor, die die Rasengräser zur Qualitätssicherung erfüllen müssen. Hier fallen die Anforderungen sogar noch höher aus als die des Saatgutverkehrsgesetzes.

Die folgende Tabelle zeigt die Keimfähigkeit ausgewählter Rasengräser gemäß Saatgutverkehrsgesetz und RSM-Richtlinie. Die Prozentangabe drückt dabei aus, wie viele Rasensamen mindestens aufkeimen müssen, um die jeweiligen Anforderungen zu erfüllen.

GrasartKeimfähigkeit gemäß SaatgutverkehrsgesetzKeimfähigkeit gemäß RSM-Richtlinie
Deutsches Weidelgras (Lolium perenne)80 %85 %
Wiesenrispe (Poa pratensis)75 %80 %
Rotschwingel (Festuca rubra)75 %80 %
Schafschwingel (Festuca ovina)75 %80 %

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