Geschichte des Rasens

Geschichte des Rasens

Rasen ist heute ein fester Bestandteil unseres Alltags. Kinder und Haustiere toben auf der grünen Fläche im heimischen Garten, im Park ist Rasen die ideale Grundlage für ein gemütliches Picknick und viele Sportarten könnten ohne ihn nur eingeschränkt oder gar nicht betrieben werden, um nur wenige Beispiele zu nennen. Darüber hinaus sind Rasenflächen längst zum Mittelpunkt der Gartengestaltung geworden – eine Entwicklung, die spätestens mit den Englischen Landschaftsgärten einsetzte und ab dem 18. Jahrhundert auch zunehmend Mitteleuropa erreichte. Tatsächlich beginnt die Rasenkultur in Mitteleuropa aber noch viel früher, wie ein Blick auf die Geschichte des Rasens verrät.

Das Mittelalter als Ausgangspunkt für die mitteleuropäische Rasenkultur

Erste Schilderungen von Gärten und Rasenflächen stammen bereits aus der Antike. Sowohl die alten Griechen als auch die Römer widmeten sich intensiv der Gartengestaltung. Ihr auf diesem Feld erlangtes Wissen überdauerte vor allem in Form von Klostergärten bis ins Mittelalter.

In seinem Werk „De vegetabilibus“ erläutert der deutsche Gelehrte Albertus Magnus folglich auch die Anlage eines Zier- und Kräutergartens für Klöster. Dabei handelte es sich um Rasenflächen, die nicht wirtschaftlich genutzt wurden, sondern der Entspannung und dem Gebet dienten. Im Umfeld der Städte wurden außerdem Wiesenflächen für Spaziergänge, Wettkämpfe und Feste angelegt.

Für die moderne Rasenkultur in Mitteleuropa stellt das Mittelalter gewissermaßen den Ausgangspunkt dar. Entwicklungen lassen sich ab dieser Zeit bis in die Gegenwart verfolgen. Durch Text- und Bildzeugnisse sind sie zudem verhältnismäßig gut dokumentiert.

Italienische Renaissancegärten, französische Barockgärten und „pleasure grounds“

Vor allem zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert entstand in Europa eine hohe Rasen- und Gartenkultur. Zur Anlage von Rasenflächen wurde zu dieser Zeit bereits spezielles Rasensaatgut verwendet. Neben Kleearten dominierte insbesondere das Deutsche Weidelgras (Lolium perenne).

Während die mittelalterlichen Gärten noch als in sich geschlossene Teilgärten nebeneinander lagen, waren die italienischen Renaissancegärten mit bestechender geometrischer Genauigkeit angelegt. Ihre Anfänge liegen in der Umgebung vom Florenz des 15. Jahrhunderts. Die einzelnen Garten- und Architekturelemente verteilten sich oft über mehrere Ebenen und wurden durch Achsen, die ein Raster ergaben, miteinander verbunden. Der Höhepunkt dieser gartenbaulichen Entwicklung wurde in Form der italienischen barocken Terrassengärten und den französischen Barockgärten einige Jahrhunderte später erreicht.

Italienischer Renaissancegarten Villa d'Este

An der Villa d’Este im italienischen Tivoli befand sich der wohl berühmteste Garten der Renaissance.

Französischer Barockgarten Vaux-le-Vicomte

Paradebeispiel für einen französischen Barockgarten: Die Grünanlage rings um das Schloss Vaux-le-Vicomte.

Schon gewusst?

Eine der ältesten Beschreibungen der Anlage einer Rasenfläche in Deutschland befasst sich mit der Aussaat eines Bowling-Greens im Jahr 1743 im Herzogtum Magdeburg.

In der Barockzeit spielte Rasen eine eher untergeordnete Rolle: Tiergärten, in denen beispielsweise Hirsche gehalten wurden, waren die einzigen Rasenflächen, die regelmäßig mit Heusamen angelegt wurden. Ein Anstoß für weiteren Fortschritt in der Rasenkultur war dann die Etablierung von Ballspielen als Gesellschaftsspiele. Zunehmend wurden nunmehr Grünflächen für diesen Zweck hergerichtet. Zudem kamen besonders in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sogenannte „pleasure grounds“ in Mode. Dabei handelte es sich um gepflegte Gartenbereiche in der Nähe des Herrensitzes, die vor allem Spaziergängen dienten und bei denen strenge Ansprüche an die Qualität der Grasnarbe gestellt wurden.

Schon gewusst?

Eine Art Vorläufer des heutigen Rollrasens wurde bereits 1613 von dem Engländer Gervase Markham erwähnt. Er empfahl zur Rasenanlage die Verwendung ausgestochener Grassoden.

Engländer prägen die Rasenkultur der Moderne

Vorbildlich gepflegter und sattgrüner Rasen wird oft mit England in Verbindung gebracht. Schon ab dem 18. Jahrhundert begann der Siegeszug der englischen Landschaftsgärten, als die Briten in Kontakt mit den Japanern und Chinesen kamen. Statt der strikten niederländischen und französischen Vorgehensweise wurden nun möglichst naturgetreue und auf die Umwelt abgestimmte Gärten angelegt.

Englischer Landschaftsgarten München

Der Englische Garten in München ist im Stil der englischen Landschaftsgärten angelegt und gehört mit 375 ha Fläche zu den größten Parkanlagen der Welt.

Der Rasen wurde zunächst von Schafen gedüngt und gekürzt. Später erfolgte der Schnitt mit der Sense. Das Grundprinzip der Rasenpflege lautete: „Mowing ‘em and rolling ‘em“, was bedeutet, dass der Rasen nach dem Mähen abgekehrt und gewalzt wurde.

Allein im Park des Blenheim Palace waren täglich 50 Männer mit dem Mähen beschäftigt – auf lange Sicht ein zu kostspieliges Unterfangen. Dieses Problem löste der englische Textilingenieur Edwin Beard Budding, indem er seinen mechanischen Spindelmäher 1830 zum Patent anmeldete. Zeitgleich wurde die Saatgutproduktion auf weitere Arten ausgeweitet, beispielsweise Straußgräser (Agrostis), Rispengräser (Poa) und Schwingel (Festuca).

Schon gewusst?

Inspiriert für seine Spindelmäher-Erfindung wurde Edwin Beard Budding von der Stoffschneidemaschine in der Weberei. Sein Mäher arbeitete nach dem Prinzip einer Schere: Rotierende Messer drückten die Halme gegen ein fest angebrachtes Untermesser, wodurch sie abgeschnitten wurden. Die Spindelbewegung beförderte schließlich das geschnittene Gras im hohen Bogen aus dem Gerät.

Einsetzende Rasengräserzüchtung zum Ende des 19. Jahrhunderts

Während zunächst ausschließlich einfache, in der Natur vorkommende Gräser den Rasen bildeten, wurden zunehmend Sortenzüchtungen durchgeführt, um den unterschiedlichen Verwendungszwecken der Rasenflächen gerecht zu werden. Als Pionier der Rasengräserzüchtung gilt heute James Bradford Olcott aus Conneticut in den USA. Um 1885 kam er im Rahmen seiner Anbauversuche zu der Erkenntnis, dass Schwingelarten (Festuca) und Straußgräserarten (Agrostis) das geeignetste Ausgangsmaterial für weitere Züchtungen sind. Damit war der Grundstein für die weltweite Weiterentwicklung des Rasensaatguts gelegt, die im Laufe der Zeit jenes breite Sortenspektrum entstehen ließ, welches wir heute kennen.

Qualitätssaatgut von Kiepenkerl und Sperli

Rasensaatgut von Kiepenkerl und SPERLI

Hoch­wertiges Saat­gut trägt maß­geb­lich zum Erfolg einer Rasen­ansaat bei. In den Rasen­mischungen von Kiepenkerl und SPERLI werden deshalb nur Spitzen­sorten verwendet.

Rasen anlegen: So geht’s!

Rasen anlegen

Ob klassische Rasen­ansaat oder Rollrasen­verlegung: Lernen Sie alle Schritte kennen, die für die Rasen­anlage wichtig sind.

Die richtige Rasenpflege

Rasenpflege

Welche Pflege­maßnahmen wann im Jahr auf dem Programm stehen sollten und wie sie richtig umgesetzt werden, lesen Sie in unserem Ratgeber.

Was tun bei Rasenschäden?

Rasenschäden

Ob durch ungünstige Witterungs­bedingungen, Pilzbefall oder Schädlinge: Jeder Rasen kann einmal in Mit­leiden­schaft gezogen werden. Wir erklären, was dann zu tun ist.